
What a man, what a man, what a mighty good man!
Kann man Gartenpflanzen vermenschlichen? Ja, die Gärtnerin kann’s.
Zu den imposantesten Erscheinungen im Garten gehört nämlich der Kirschbaum und der ist zu Recht männlichen Geschlechts: Kraftvoll dominiert er den Garten. Nichts kann ihn in die Knie zwingen. Er hält Generationen von kraxelnden Kinder aus. Man kann ihm die Hängematte ans Bein binden und er schaukelt geduldig die Gärtnerin in der Abendsonne durch den sommerlichen Feierabend. Er lässt sich die Krone nicht von den vielen umherschwirrendend Bienen verdrehen und beschirmt im Hochsommer den Garten mit kühlem Schatten. Er verstreut im Juli großzügig Sauerkirschen für Vögel und extrem motivierte menschliche Sauerkirschenentsteiner (die Sauerkirschen heißen so, weil man sie sich sauer verdienen muss – sie wachsen außen am Baum, wo man sie kaum erreicht und sie bestehen im wesentlichen aus „Haut und Knochen“, was wiederum ausdauerndes Entsteinen nach sich zieht). Er hat den grau-getigerten Kater deduldet, der jahrelang probiert hat, durch intensives Kratzen einmal im Katzenleben einen Baum auszureissen.
Geradezu umwerfend ist sein Blühauftritt im April:

Aus fast jedem Fenster kann man ihn derzeit unter voller Verausgabung blühen sehen. Immer wieder verharrt die Gärtnerin im Haus, bewundert den Anblick und macht sich auch ein bisschen Sorgen, denn für die kommenden Nächte ist Frost in Oberbayern angekündigt und das wäre sehr schlecht für die Kirschernte im Sommer.
Seit Jahrzehnten hält er viel aus – der mighty old man im Garten – allein dem Frost hat er nichts entgegen zu setzen und muss sich geschlagen geben.
Jetzt hilft nur noch Daumen drücken und hoffen, dass die dicke Wolkendecke den Frost nicht allzu vernichtend auf die Blüten sinken lässt.
