2016 hat sich Frau Amsel ein Nest direkt in der Pfeifenwinde über dem Garagentor gebaut. Seltsam, dass sie das mehrfach am Tag knarrend auf und zu rumpelnde Tor nicht davon abgehalten hat, hier ihre Kleinen ungestört(?) aufzuziehen. Noch seltsamer, dass das unbemerkt direkt über den Köpfen des Gärtnerpaars geschehen ist. Piepen die Piepmätze nicht? Wird das Gärtnerpaar jetzt schon taub?

Die Gärtnerin hat das Nest erst im Herbst nach dem Fall der Blätter entdeckt und es bis jetzt auf Wiederbezug „vorgelegt“. Beziehen Amseln überhaupt verlassene Nester? Frau Amsel hat jedenfalls Nest Version 20.16 verschmäht.
Darüber ist es Zeit für das uralte Gartengesetz geworden: Erst wenn die Forsythien blühen, werden die Rosen zurück geschnitten. Deswegen hat sich der Gärtner mit Leiter, Handschuhen und Rosenschere bewaffnet an die Ramblerrose über dem Wohnzimmerfenster gemacht und Frau Amsel an ihrem diesjährigen Wirkungskreis entdeckt.
Das Gärtnerpaar hat die Amsel herzlich willkommen geheißen, ein paar Fotos gemacht, angefangen, sich auf deren Nachwuchs zu freuen und beschlossen, Frau Amsel ihre Ruhe zu lassen. Diese hat den Rosenschneide-Aktionismus um sie herum sowieso schon äußerst missbilligend beäugt.

Die Gärtnerin hat kurz darüber nachgedacht, ob das alte Nest absichtlich für eine weitere Brutphase zurückgestellt wurde, weil der Platz vielleicht noch nicht ausreichend von den großen hellgrünen weichen Pfeifenwindenblättern verdeckt ist. Hat dann nochmal den neuen Nistplatz in Augenschein genommen und festgestellt, dass auch hier von Tarnung durch Blätter keine Rede sein kann. Vielleicht haben ja auch Amseln ein Faible für brandneue Wohnsitze oder sie finden einfach – wie die Gärtnerin – Rosen schöner als Pfeifenwinden?
Deswegen wurde Nest V20.16 kurzerhand requiriert, um beim Osterbrunch dekorativ zu sein. Im sehr weiten Sinne wäre das ja auch ein familienfreundliche Maßnahme.

Fröhliche Ostern!
