
Als die Gärtnerin ein Kind war, war der Garten noch nicht ihr Garten, sondern der ihrer Großeltern. Manche Wochenenden verbrachte die junge Gärtnerin bei ihrer Oma und
wenn Schnee lag, hätte sich das Stadtkind am liebsten mit dem ganzen Körper in den Schnee geworfen und einen Schneeengel nach dem anderen in den Schnee gewischt.
Damals unverständlich für das Kind, hat die Großmutter darauf bestanden, den Schnee unberührt glitzernd im Garten liegen zu lassen und das Getobe in den nahen Wald zu verlagern. Der war aber zu dicht mit Bäumen bestanden und auch ein bisschen gruselig, so dass es dort erheblich weniger Spaß gemacht hat.
20 Jahre später hat es die Gärtnerin ihren Kindern schweren Herzens (offensichtlich war die verwandtschaftliche Disposition zum Blick auf unzerfurchte Schneelandschaften gendominant) erlaubt, im Garten durch den Schnee zu toben. Die Kinder nahmen keinerlei Rücksicht auf unter dem Schnee verborgene Blumenbeete oder auf die wunderbare Unberührtheit des Schnees. Und wahrscheinlich ahnten sie gar nicht, dass ihr Vergnügen noch der Nachhall des mütterlichen Grusels vor dem schwarzen Wald war.
Gut so, denn – gemäß einer selbstauferlegten Tradition – dankten sie das unbeschwerte Getrampel der Mama immer mit einem wunderbaren großen Schneemann vorm Wohnzimmer.
Wiederum 20 Jahre später stapft mit dem Glück am weichen weißen Schneeteppich auch die Wehmut mit der fotografieren Gärtnerin durch den Garten und die Sehnsucht nach einem Schneemann vorm Wohnzimmerfenster. Die einzigen kleinen Trampelspuren,
die sie entdeckt, sind die der Vögel.
Wer weiß, ob nicht in 10 Jahren Schneemann bauende Enkel durch den Garten kugeln…und der Rhytmus des Lebens so weitergeht, wie er es seit Jahrtausenden tut.

