wuschelige Anemone

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Wenn die Gärtnerin recht überlegt, gibt es in ihrem Garten kaum eine Pflanze, zu der sie nicht eine kleine Geschichte erzählen kann.

Zum Beispiel diese kleine Herbstanemone, die heute ihre weißen Wattebausch-Samenstände im Winterlicht sonnt und so im Garten auf sich aufmerksam macht.

Vor vier Jahren hat die Gärtnerin tagsüber Berufsgärtner im Beet vor ihrem Münchner Glasbürokomplex bei deren Arbeit beobachtet und darüber sinniert, ob es ein guter Tausch wäre, den Schreibtischarbeitsplatz mit einem Gartenarbeitsplatz zu tauschen. Viel Zeit zum Nachdenken gab es an diesem Büroalltag nicht. Die Gärtnerin ist daher rasch zum Schluss gekommen, ihre Strategie, den Garten als Freizeitbeschäftigung zu behalten, und nur hin und wieder das office zum homeoffice im gardenoffice zu machen, beizubehalten.

Als sie an jenem Abend etwas müde und daher mit leicht gesenktem Kopf ihren Arbeitsplatz verlässt, lässt sie ihren kritischen Blick über die Arbeit der bezahlten „Konkurrenten“ streifen und er fällt auf eine ausgerissene, achtlos liegengelassene Anemone japonica (?) Wurzel.

Sie bückt sich, hebt die Pflanze auf und packt sie in ihren Fahrradkorb und fährt sie heim. Dort pflanzt sie sie in einen kleinen Pflanztopf, wässert und betüdelt sie  ein bisschen, macht den Gärtner auf den kleinen Neuzuwachs aufmerksam, empfiehlt ihn auch seiner Obhut und hofft auf die Dankbarkeit der Geretteten.

Die Rechnung geht auf:
Auch wenn es wie im Weihnachtsmärchen klingt, die Pflanze gibt ihr Bestes! Traumhafte zarte pinkfarbene Blüten schweben über robustem – von Schnecken links liegen gelassenem – Laub, ergeben im Spätsommer eine wunderbare Kombination mit Salomonsiegel und rosa Phlox  und bringen sich heute kurz vor dem verdienten Winterschlaf nochmal mit wuscheliger „out-of-bed“ Frisur in Erinnerung.

Ein Kommentar zu „wuschelige Anemone

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